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Kleine Geschichte des Sonnenschutzes PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von MoonLight   
Friday, 23. January 2009

In diesem Artikel möchte ich wesentliche Bedeutungen und wichtige historische Etappen des Sonnenschutzes darstellen. Es geht nicht um spezielle Details wie z. B. wichtige Unternehmen oder spezielle technische Innovationen; dazu werde ich möglicherweise aber auch bald einen Artikel schreiben.

Kulturwissenschaftlich oder kulturgeschichtlich würde man dem Sonnenschutz sicherlich zwei Ebenen zuordnen: Erstens ist Sonnenschutz eine Art Luxusgut, da er in den eigenen vier Wänden nicht so essentiell ist wie z. B. eine Toilette. Und in punkto massenhafte Verbreitung tritt Sonnenschutz erst bei einem gewissen Grad von Industrialisierung und Verstädterung auf. Mit einem eleganten Sonnenschutz hat man eben nicht nur Sichtschutz, sondern kann z. B. Ästhetik und guten Geschmack ausdrücken. Genauso dient Sonnenschutz der Privatsphäre. Mit Blick auf die Verstädterung ist das in Städten und Dörfern mit nah aneinander stehenden Häusern sicherlich noch wichtiger als auf dem Lande.

Zweitens ist Sonnenschutz in der heutigen „computerisierten“ Arbeitswelt alles andere als Luxus und Schutz der Privatsphäre, sondern ein notwendiger Bestandteil für einen funktionstüchtigen Arbeitsplatz. Das ist vielen Leuten gar nicht immer bewusst, wer allerdings gerade im Sommer ein Büro mit schlechtem Sonnenschutz hat, wird das nur zu gut verstehen. Bei beiden Ebenen ist Sonnenschutz natürlich einer von mehreren Bestandteilen, mit denen man den Raum ausstatten kann.

Die Anfänge des Sonnenschutzes werden im alten Ägypten gesehen. In Bestattungsräumen wurden Verzierungen gefunden, die eine Art Vorhang darstellten. Diesen Vorhang konnte man mit Bambus- und ähnlichen Stöcken heben oder senken. 1669 wurden im Kopenhagener Schloss Rollos erwähnt, die sich mit Schnüren bewegen ließen. Diese wurden wiederum über Riemenscheiben umgelenkt. Diese beiden Daten gelten auch als historische Ursprünge des Rollos, also quasi der einfachsten Form des Sonnenschutzes. Hier kann man von der ersten der beiden Ebenen von Sonnenschutz sprechen: Sonnenschutz als eine Art Luxusgut. Dazu passt, dass das alte Ägypten als eine der ersten Hochkulturen gilt. Offensichtlich wird Sonnenschutz von eher wohlhabenderen Schichten entwickelt und verbreitet sich dann im 19. und 20. Jahrhundert. Ironischerweise war das Rollo im Kopenhagener Schloss wahrscheinlich noch etwas ganz besonderes. Dagegen ist es heutzutage quasi eine der rudimentärsten Form von Sonnenschutz. Das erste Patent wurde 1870 in den USA angemeldet.

Der traditionell bekannteste Sonnenschutz sind dagegen sicherlich die Fensterladen. Je nach Region werden sie auch Klappladen (Süddeutschland), Schlagladen (Norddeutschland) oder Drehladen (Ostdeutschland) genannt. Neben dem Sonnenschutz dienen sie auch allgemein als Schutz gegen Wind und Wetter sowie gegen mögliche Einbrecher. Gegenüber dem heutigen Sonnenschutz sind sie aber natürlich viel unpraktischer in der Bedienung und als Dekoration innerhalb des Raumes nicht sichtbar.

Der Begriff Jalousie ist französisch und heißt Eifersucht. Er ist angelehnt an Fenstergitter orientalischer Harems, durch die man nach draußen schauen kann, aber eben nicht hinein. Die Fenstergitter schützen also nicht nur vor Sonne, sonder auch vor Eifersucht! Und sie ermöglichen, nüchtern kulturgeschichtlich gesprochen, Privatsphäre. Das erste Patent auf eine Jalousie wurde 1812 in Frankreich angemeldet. Im Französischen heißt Jalousie übrigens nicht Jalousie, sondern „store vénitien“.

 

Auch der Begriff Markise leitet sich aus „geschlechtsbezogenen Zusammenhängen“ her. Er kommt von dem französischen Wort für Adelsdame, die Marquise. Angeblich soll Mitte des 18. Jahrhunderts für die Frau eines Offiziers in dessen Heerlager immer die Sonnenschutzanlage ausgefahren worden sein. Die ersten Markisen soll es zudem in der Antike gegeben haben.

 

Und schließlich leitet sich auch der Begriff Plissee aus dem Französischen her. Er bedeutet so viel wie falten, gefaltet (plissiert). Eine Plissee-Anlage verbindet sicherlich am deutlichsten die beiden Ebenen: Sie ist sehr dekorativ und besonders gut geeignet für Wintergärten, gleichzeitig ist sie äußerst praktisch für die Verschattung eines Arbeitsplatzes. Ähnlich ironisch wie beim Rollo, bloß umgekehrt, galt Plissee zuerst als Fensterbekleidung für „arme Leute“. Das lag allerdings nicht an der Technik, sondern am Stoff, nämlich Papier.

 

Die Ursprünge des Flächenvorhangs werden dagegen in der fernöstlichen Tradition des Licht- und Schattenspiels mit Papierschiebewänden gesehen. Über die USA kamen sie in den 1970er Jahren nach Europa. Auch die Lamellenvorhänge wurden in den USA verbreitet, sie gibt es ungefähr seit 1870. Der Sonnenschutz verdankt also seine industrielle Verbreitung den USA und Europa, er geht aber genauso auf interessante wie amüsante Ideen aus anderen Ländern zurück.

 

An dieser Stelle würde ich mich sehr freuen, wenn Sie als Leser Ergänzungen und Anmerkungen oder natürlich auch Kritiken haben. So könnten wir ein sehr interessantes und vielfältiges Bild über dieses nur auf den ersten Blick nebensächliche Raumausstattungsprodukt bekommen!

Letzte Aktualisierung ( Monday, 26. January 2009 )
 
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